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Andacht für die Woche nach dem 5. Sonntag nach Trinitatis

„Schuster, bleib bei deinen Leisten.“

Diesen Satz, so kann ich mich noch gut erinnern, habe ich als Kind und Jugendlicher sehr oft gehört, und heute, da ich darüber nachdenke, wird mir bewusst, dass ich ihn schon sehr lange nicht mehr gehört habe und vielleicht hält sich deshalb auch kaum einer noch daran.

Ich bin auch nur auf diesen Satz gekommen, weil ich etwas von Johannes Tauler gelesen habe. Er lebte im 14. Jh., stammte aus Straßburg und wirkte später in Basel und Köln. Er war Dominikaner und gehört neben Meister Eckhart zu den bedeutendsten Mystikern des Mittelalters.

Voraussetzung für die innere Gotteserfahrung ist nach Taulers Lehre ein unablässiges Bemühen um Selbsterkenntnis. Diese innere Einkehr bedeutet aber keineswegs eine Vernachlässigung der Aufgaben des Alltagslebens. Er meint, dass beides miteinander verbunden sein muss, eine Einheit bildet. Diese nachdrückliche Aufwertung der Alltagsarbeit, ganz besonders der ganz gewöhnlichen Erwerbstätigkeit, wird von ihm als ein zentraler Bestandteil der Spiritualität des Einzelnen angesehen. Somit schreibt er: „Der Mensch soll seine Arbeit einfach und nüchtern tun. Er soll dabei der bleiben, der er ist, und soll Gott in sich hineinnehmen und oft vor ihm gegenwärtig sein, innig und gesammelt. Und so lerne er Gott in das Werk zu tragen.“

Ganz banal könnte man auch sagen. „Mach einfach deine Arbeit.“ Ich habe da andere Erfahrungen gemacht. Viele sind nicht bei der Sache, lassen sich leicht ablenken, sind mit mehreren Sachen gleichzeitig beschäftigt und nennen dieses Unkoordiniert-Sein dann Multitasking. Es gibt aber auch die, welche ins andere Extrem verfallen und sich auf eine Sache so konzentrieren, dass sie rechts und links nichts mehr sehen und die Zusammenhänge darüber vergessen, beziehungsweise sich in eine Sache so verbeißen, dass sie das Große und Ganze aus den Augen verlieren und mit Tunnelblick nur noch ihr Ziel verfolgen.

Matthäus erzählt im Evangelium davon, wie Jesus seine Jünger beauftragt und sie für ihre Aufgabe ausstattet. Da heißt es: „Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen… Die Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt und sprecht: ´Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen…` Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Tasche für den Weg, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert. Wenn ihr aber in eine Stadt oder ein Dorf geht, da erkundigt euch, ob jemand darin ist, der es wert ist; bei dem bleibt, bis ihr weiterzieht. Wenn ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es; und wenn es das Haus wert ist, kehre euer Friede dort ein.“ Jesus beauftragt die Jünger mit einer schwierigen Aufgabe, es ist mehr als nur ein wenig zu predigen. Sie sollen heilen, gesund machen, die Welt verändern. Er gibt ihnen aber auch den Rat mit auf den Weg sich nicht mit allzu viel Ballast zu beschweren, denn das macht den Weg und damit die Arbeit schwerer als nötig. Und er sagt ihnen, dass sie das Ziel nicht aus den Augen verlieren sollen. Nicht hier noch ein wenig missionieren und da noch ein wenig mitmischen und da auch noch ihren Senf dazugeben. Er sagt: Konzentriert euch auf das, wozu ich euch beauftragt habe.

Es gibt einen schönen Satz, der heute nicht mehr allzu oft gesprochen wird. Man hört ihn noch bei Trauungen, bei der Konfirmation oder Predigtbeauftragungen, ansonsten nur noch selten: „Ja, mit Gottes Hilfe!“ Es ist das, was Tauler den Menschen empfiehlt, er fordert dazu auf das Tagwerk, welches einem anvertraut wurde zu erfüllen und das mit Gottes Hilfe. Nicht den ganzen Tag beten, da bleibt keine Zeit für das Lebensnotwendige und nicht stur losarbeiten, denn ohne Gottes Hilfe zu wirken, haben schon viele vergeblich versucht. Aber vor allem, das zu tun, was man am besten kann, das wozu man beauftragt wurde - einfach und nüchtern.       

Pfr.i.E. Kay Lohse

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