Schulseelsorge

Aktuelle Andacht

28.10.26 K10 Sgd

Erwartungen

Na, hättet ihr noch alle 12 Namen der Jünger Jesu zusammenbekommen.

Also mir fehlt meistens einer, denn neben Petrus und Judas und Simon sind da ja nicht nur die Doppelnamen, sondern auch die Jünger, welche namentlich kaum erscheinen, also da muss man schon sattelfest sein, um sie auf Anhieb alle nennen zu können.

Im, diesen Text vorangehenden Abschnitt, wird erzählt, wie die führenden Kreise in Jerusalem sich besprechen, wie sie Jesus loswerden können. 

Dort heißt es: „Sie wurden ganz von Sinnen und beredeten sich miteinander, was sie Jesus tun wollten.“ Nun setzt Jesus diesem Bestreben etwas dagegen, in dem er die 12 Jünger beruft. Zum einen eine historisch bedeutsame Zahl für Juden. 12 Stämme, so als ob Jesus aus jedem Stamm einen beruft, als ob ganz Israel hinter ihm steht.

Und 12 sind ja an sich nicht wenige, man findet schnell mal zwei oder drei mit denen man auf eine Linie liegt, aber gleich zwölf, das ist schon eine Hausnummer.

Und er nennt sie Jünger, Schüler, nicht in unserem Sinne, sondern Schüler, die ihm nachfolgen und so werden wollen wir er. Hinzu kommt aber, dass er sie auch Apostel nennt, Gesandte. Wörtlich »Ausgesandte«. Menschen, die dazu berufen sind, die Gute Nachricht von Jesus Christus zu verkünden. Für die Ausführung seines Auftrags ist ein Apostel mit Vollmacht ausgestattet. Ein Apostel handelt nicht in seinem eigenen Namen, sondern gibt weiter, was ihm anvertraut ist. Das heißt, sie laufen ihm nicht einfach nach, sondern sie werden bewusst beauftragt, hinaus in die Welt geschickt, um selbständig, in Jesu Auftrag und Geist zu agieren. Da kommen einem fast schon militärische Ausdrücke in den Sinn, dass sie wie ein Stoßtrupp vor Jesus her den Weg bereiten.

Naja, vielleicht etwas zu dramatisch, aber eines ist fakt, die Erwählung der Jünger ist ein entscheidender Schritt Jesu, der verdeutlicht, dass er nun nicht mehr allein unterwegs ist, sondern das auf sein Wort hin eine Bewegung entsteht.

Und das bestätigen auch die folgenden Verse. Die Situation, in der wir uns jetzt befinden, ist ja ähnlich der bei Matthäus beschriebenen und die wir Bergpredigt nennen. Nur dass eben Jesus bei Lukas nicht auf dem Berg seine Rede hält, sondern vom Berg herabsteigt und zu Füßen des Berges seine Rede hält, daher Feldrede. Um Jesus sammeln sich verschiedene Gruppen der Zuhörer. Im engsten Kreis sind es die soeben erwählten Apostel, dann die große Schar der übrigen Jünger und dann kommt die hörbereite Menge des Volkes dazu. Lukas zeichnet damit ein Idealbild der kommenden Gemeinde, die sich um Jesus als unsichtbare Mitte und die Apostel versammelt.

Aber so schön das klingt und von so manchem Theologen Facettenreich interpretiert wurde, so zweischneidig ist es auch. So habe ich zu diesem Textabschnitt einmal gelesen, dass sich bei einem Theologen das Bild einer Pyramide ergeben hat. Ganz oben auf der Spitze sieht er Jesus allein im Gespräch mit Gott, dem Vater und von ihm gestärkt ruft er sein Jünger zu sich und wählt 12 aus, die dann mit ihm hinabsteigen. Und so wird die Pyramide nach unten breiter und ganz unten am Fuß warten die Menschen, die große Schar seiner Jünger und alle, die sehnsüchtig auf Heilung ihrer Krankheit hoffen. Sie spüren die Kraft, die von ihm ausgeht und so kann Jesus in tiefer innerer Verbundenheit mit seinem Vater alle heilen. Dieses Bild der Pyramide sei richtungsweisend heißt es dort. Es beginnt ganz nahe bei Gott und führt direkt zu den Menschen. Ein schönes Bild, aber auch etwas fraglich, denn die Intention vieler Hörer ist doch nicht ganz selbstlos.

Es heißt: „Viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem, und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon waren gekommen.“ Das sind Menschen aus der Hauptstadt, einer ganzen Provinz und einer Küstenregion. Wir sprechen von einem Gebiet das ca. 2,5 mal so groß ist, wie das Saarland und von Jerusalem bis Sidon sind es ca. 200 km Luftlinie, das ist für damalige Zeiten eine große Entfernung, da geht man nicht einfach mal so hin. Der letzte Wandertag mit den 12ern über 12 km endete in mehreren Totalausfällen, also für uns undenkbare Strecken. Da muss ich schon driftige Gründe haben mich aufzumachen. Einer wäre die Aussicht auf Heilung von einer schlimmen Krankheit, aber nur um eine Predigt zu hören, von einem Mann, den damals noch kaum jemand kannte, wohl eher weniger. Ich frage mich, ob ich das nur zu kritisch sehe oder ob viele Menschen, die damals so versessen waren auf Jesus, es nicht eher um sich selbst ging als um Jesu Botschaft?

Natürlich sind die Beweggründe verständlich angesichts von Leid, Not und Krankheit, wenn Jesus die letzte Hoffnung war, die letzte Aussicht auf Besserung, wer wollte es den Menschen verdenken, alles daran zu setzen gesund zu werden, wenn es dieser Jesus kann. Aber dann denke ich an einen Satz von Jesus, den er in einem anderen Zusammenhang sagt: „Was denn leichter sei, zu sagen steh auf, nimm dein Bett und geh oder dir sind deine Sünden vergeben?“ Für uns naturwissenschaftlich denkende Menschen scheint das klar, aber die Botschaft Jesu geht tiefer. Ich muss an diesen Satz immer denken, wenn jemand sagt: „Hauptsache gesund!“ Was soll das denn heißen, Gesundheit ist das Wichtigste? Klar ist das wichtig und keiner von uns will krank sein, aber haben wir nicht alle fast immer das eine oder andere kleine Leiden. Einen Sehfehler, müssen Tabletten schlucken, haben ein Erkältung, sind wir nicht andauernd irgendwie krank am Körper?

Aber wie ist das mit unserer Seele. Wenn jemand innerlich nicht gesund ist, uneins mit sich und der Welt, ist es nicht viel wichtiger das erst zu heilen, die körperlichen Gebrechen lassen sich oft leichter heilen, sind nicht existentiell und manchmal vergessen wir sie fast ganz, aber was in uns drin nicht stimmt, das bestimmt unser ganzes Handeln.

Deshalb steigt Jesus vom Berg und verkündet den Menschen das Reich Gottes, dann heißt es oft „Und er hatte Mitleid mit ihnen!“ und dann heilt er die Menschen auch noch, aber zuerst geht es ihm um das Verhältnis der Menschen zu Gott und um ihr Heil. Vielleicht denken wir demnächst Mal daran, wenn uns etwas weh tut, ob das wirklich unser Problem ist oder ob es nicht in uns steckt, was uns krank macht. Dass unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen und Gott nicht stimmt, was uns belastet und das Leben beschwert, dann könnten wir doch wieder auf das Wort Gottes hören, dass uns Jesus anbietet. Und vielleicht werden dann auch unserer Erwartungen leichter erfüllt.

Amen. 

Und der Friede Gottes, der höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lesung (Eph 2, 19-22)

Evangelium (Lk 6, 12-19)

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Pfr.i.E. Kay Lohse

 

 

 

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