Das Buch Jona könnte man sagen ist ein ziemlich lustiges Buch. Es hat nur 4 Kapitel und ist schnell gelesen. Interessanterweise kennen auch ganz viele Menschen die Geschichte von Jona und dem Walfisch, der gar kein Fisch ist, denn ein Wal ist nun mal kein Fisch, allerdings ist im Jonabuch gar keine Rede von einem Wal, sondern nur von einem großen Fisch.
Da dachten aber wohl die meisten Menschen zuerst an einen Wal, da diese ja bekanntlich sehr groß sind und man meinen könnte, dass ein solches Tier einen Menschen verschlucken könnte, was wiederum ein Trugschluss ist, aber das nur am Rande oder besser gesagt, soviel zum Thema Halbwissen.
Dass das Buch Jona so witzig ist, liegt wohl aber vor allem am Propheten selbst, der scheinbar mit seiner Rolle als Prophet sogar nicht klarzukommen scheint und dass sich Gott mit ihm diesen ziemlich derben Spaß leistet, jedenfalls spaßig für den Beobachter.
Den kurzen Text, den wir aus dem, an sich schon kurzem Buch gehört haben, erzählt wie alles wie geplant zu laufen scheint, nun nach dem Intermezzo im Bauch eines Fisches Jona endlich seinen göttlichen Auftrag wahrzunehmen scheint, aber es kommt schon wieder zu einer Überraschung.
Die Menschen in der Stadt Ninive nehmen die Drohung Jonas, also Gottes Gerichtsandrohung und Aufforderung zur Umkehr wirklich ernst, wer hätte das gedacht? Und genau das führt unmittelbar zur nächsten Überraschung, denn Gott ist vom Umkehrwillen Ninives so sehr beeindruckt, dass ihm die Androhung seiner Strafe leid tut, ja er fast schon ein schlechtes Gewissen zu haben scheint, wenn er sagt: „Es reute ihn das Übel, das er angekündigt hatte!“ und so nimmt er Abstand von seinen Zerstörungsplänen. Was am Ende vom Tag bleibt, die Leute Ninives haben ihr Leben geändert und sind auf einen rechten Weg zurückgekehrt.
Somit hat alles irgendwie erst einmal ein gutes Ende genommen. Tja wenn es nur immer so einfach wäre. Bleibt nur noch eine Frage wo steckt eigentlich Jona, um den ist es doch eigenartig ruhig geworden und man ahnt schon, dass die Ruhe nicht lange andauern wird.
Die Geschichte geht ja auch noch weiter, denn es ist ja kein Märchen, sondern ein prophetisches Buch. Also nicht: „Ende gut, alles gut!“, sondern da kommt noch etwas. Jona ist ziemlich genervt davon, dass die Leute in Ninive von ihrem verkehrten Weg umkehren. Er hatte es sich so richtig schön gemütlich gemacht und sich eingerichtet in der ersten Reihe, um zuzuschauen, wie Feuer vom Himmel regnet und Ninive untergeht. Manche kennen das vielleicht, wie man mit Chips und Schokolade vor dem Fernseher sitzt und sich die Apokalypse anschaut, sei es ein Film oder die Nachrichten, bequem im Sessel wird sogar der Weltuntergang gemütlich.
Und was will jetzt Jesus von den Menschen seiner Zeit und von uns mit dem Verweis auf Jona?
Ein Zeichen zu sehen ist eine Sache, es zu entschlüsseln und zu verstehen und dementsprechend zu handeln eine ganz andere. Wer bei mir gerade im Grundkurs sitzt, weiß wovon ich rede. Wir betrachten gerade die Gleichnisse und welche eigentliche Botschaft hinter den interessanten, bisweilen unterhaltsamen und hin und wieder auch schwer verständlichen Bildern steht. Oft ist es so, dass wir Bilder auch ganz unterschiedlich deuten. Was nicht heißt, dass der eine oder die andere Recht oder Unrecht hat, sondern dass wir einfach die Dinge anders wahrnehmen. Die einen freuen sich einfach über den Regenbogen, das Naturschauspiel beeindruckt sie, die anderen werden nachdenklich, fühlen sich an vergangene Ereignisse schmerzlich erinnert oder schöpfen daraus Kraft für ihr Leben oder das eines lieben Menschen, von banal bis hoffnungsspendend ist alles dabei.
Die Situation in der Jesus sich befindet hat etwas mit Verteidigung zu tun, entzündet hat sich das Ganze an einem Konflikt um einen Exorzismus. Die Auseinandersetzung mit Jesus schaukelt sich immer weiter hoch, bis Jesus quasi der Kragen platzt. Er wirft den versammelten Menschen vor, sie wollen nur Sensation sehen und das verstelle ihnen den Blick auf die wirklichen Zeichen, auf die Dinge, die genau vor ihren Augen geschehen. Und dann wird er so drastisch und spricht von dieser bösen Generation, die in sich selbst gefangen ist und unfähig echte Zeichen zu erkennen und zu entschlüsseln. Jesus greift zurück auf die Geschichte, die sicher jeder Jude kannte und nimmt deshalb Bezug auf den Propheten Jona.
Und so verweist er darauf, wie ihre Vorfahren damals in Ninive noch fähig waren die Zeichen zu erkennen, auf die Worte Gottes zu hören und ihr Leben danach auszurichten und zu ändern, doch die gegenwärtige Generation sei nur noch drauf und dran alles zu verpassen und damit auch Gott selbst zu verpassen.
Kennen wir das nicht irgendwoher? Die Angst etwas zu verpassen, wollen wir nicht immer Uptodate sein, immer informiert, in Echtzeit versteht sich, immer Online, rund um die Uhr. Eine Statistik sagt, dass nur rund 3 Prozent sich vorstellen könnten, dauerhaft auf ihr Smartphone zu verzichten und gerade einmal 10% sagen, dies länger als einen Monat zu schaffen. Ich frage mich manchmal, nicht wie die Menschheit Jahrmillionen ohne Smartphone auskam, sondern wie wir die letzten 200 Jahre seit der industriellen Revolution es ohne dieses Gerät geschafft haben, so Großes zu vollbringen, aber zurück zur Sache.
Wer immer Online ist, wer immer alle Infos (worüber auch immer) braucht, der hört nicht mehr die leisen Töne, der sieht nicht mehr die Kleinigkeiten, der erkennt nicht mehr die Bilder und versteht sie nicht.
Es wird jetzt langsam Frühling, auch wenn das Wetter gerade wieder etwas schwächelt. Vielleicht Zeit ein wenig zu üben Kleinigkeiten wahrzunehmen, in den kleinen Zeichen das Erwachen der Natur zu entdecken, den ansteigenden Vogelgesang, das Summen von Bienen und Hummeln, die kleinen Blumen, Krokusse und Schneeglöckchen, die immer mehr wärmende Sonne. Wer das wahrnimmt, entdeckt und versteht, der achtet auch mehr auf sein Gegenüber, spürt, wenn es ihm oder ihr schlecht geht oder Freude und Zufriedenheit herrscht.
Es sind nicht die großen Sachen und schon gar nicht die lauten und immer präsenten Dinge, sondern die Kleinigkeiten und alltäglichen Dinge, die unser Leben prägen und zugleich wertvoll machen.
Wir brauchen nicht noch mehr Zeichen und Informationen, wir müssen nur die Augen aufmachen, die Welt ist Gottes so voll, er umarmt uns mit der Wirklichkeit, ich muss es nur sehen wollen. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Pfr.i.E. Kay Lohse