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One nation under God

Wie der Katholizismus in den USA zur politischen Kraft wurde

Am 08. Oktober 2026 war Prof. Dr. Benjamin Dahlke von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu Gast im Römerforum der Katholischen Akademie 

des Bistums Dresden-Meißen in Zwickau. Unter dem Titel „One nation under God“ widmete er sich dem Verhältnis von Katholizismus und Politik in den Vereinigten Staaten. Mit diesem Thema greift sein gleichnamiges, 2026 im Herder Verlag erschienenes Buch eine Frage auf, die angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA hohe Aktualität besitzt. Auch Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte unseres Gymnasiums nutzten die Gelegenheit, den Autor persönlich zu erleben.

Vom Randphänomen ins Zentrum der Macht

Im Mittelpunkt stand ein bemerkenswerter Weg: Katholiken waren in den Vereinigten Staaten zunächst eine kleine, oft misstrauisch beäugte Minderheit in einem überwiegend protestantisch geprägten Land. Heute bilden sie eine der größten Religionsgemeinschaften des Landes und sind in höchsten politischen Ämtern vertreten, auch in der Regierung von Präsident Trump. Dahlke zeichnete diese Entwicklung von den Anfängen der europäischen Kolonisierung bis in die Gegenwart nach.

Dabei wurde deutlich, wie eng die Geschichte des US-Katholizismus mit gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen verknüpft ist. Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche war in den USA nie nur eine private Glaubensfrage, sondern immer auch ein Thema von Zugehörigkeit, Misstrauen und Integration. Katholische Einwanderer mussten sich lange gegen den Vorwurf behaupten, ihre Loyalität gelte eher Rom als der amerikanischen Nation. Dass sich diese Haltung gewandelt hat, ist Teil der Erfolgsgeschichte, die der Referent schilderte, und zugleich eine Erinnerung daran, wie sich das Verhältnis von Religion und Politik verändern kann.

Migration, Herkunft und Ausgrenzung als Leitthemen

Neben dem großen historischen Bogen beleuchtet das Buch einzelne Themenfelder, die der Referent auch im Vortrag aufgriff. Besonders die Fragen von Flucht und Migration zeigen, wie stark der amerikanische Katholizismus von Zuwanderung geprägt ist und bis heute von ihr lebt. Ebenso richtete Dahlke den Blick auf die Situation der Afroamerikaner und damit auf die Frage, wie sich die katholische Kirche zu Rassismus und Ausgrenzung verhielt. Diese Perspektiven machten sichtbar, dass „der“ US-Katholizismus keineswegs einheitlich ist, sondern von unterschiedlichen Erfahrungen, Milieus und politischen Überzeugungen geprägt wird.

Der Abend im Römerforum zeigte, wie lohnend der Blick über den Atlantik ist: Wer verstehen will, warum Religion in der amerikanischen Politik so präsent ist, braucht den Blick in die Geschichte. Für unsere Schülerinnen und Schüler ergaben sich zahlreiche Anknüpfungspunkte an Themen des Politik-, Geschichts- und Religionsunterrichts, etwa zum Verhältnis von Staat und Religion, zu Migration und Integration oder zur Rolle von Glaubensgemeinschaften in Demokratien.

Thomas Wagner

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