Die beiden Texte scheinen eigentlich so gar nicht zusammenzupassen. Da geht es im Korintherbrief eher darum, ob man sich eine Frau oder einen Mann nimmt und um ein enthaltsames Leben, und im Evangelium geht es um die Seligpreisungen aus der Bergpredigt. Das hat doch eigentlich nichts miteinander zu tun, da geht es um Weinende, Verfolgte, Hungernde und Arme! Vielleicht könnte man noch eine Verbindung mit dem Schluss der jeweiligen Texte herstellen,
wo die Rede auf das Weltende und das verheißene Himmelreich kommt, aber ansonsten?
Vielleicht sollte man erst einmal genauer hinschauen. Der Text stammt aus dem Lukasevangelium und gehört zu Feldrede, dem Gegenstück zur Bergpredigt des Matthäus, und sich dann fragen, was man selbst so beim Hören dieses Textes aus Lukas empfunden hat.
Welche Gefühle und Bilder haben sich da eingestellt beim Hören. Vielleicht war es ja erst einmal etwas ganz Einfaches. Das Gefühl der Vertrautheit, dass man den Text irgendwie kennt, schon einmal gehört hat, schließlich ist die Bergpredigt bekannt und Lukas kürzt es nur ein. Eigentlich müssten wir den Text jetzt noch einmal hören oder lesen, um ihn vielleicht bewusster wahrzunehmen, um dann vielleicht zu merken, wovon Jesus hier spricht. Vielleicht wahrzunehmen, was er uns sagt und womit er uns ganz konkret anspricht. Was uns vielleicht plötzlich abstößt, vielleicht auch weil wir uns ertappt fühlen. Ich denke mal genau das war die Absicht von Jesus mit den sogenannten Seligpreisungen, dass wir uns nicht bequem zurücklehnen und das Gotteswort genießen, sondern dass wir uns angesprochen fühlen von dem worum es hier geht und uns fragen, wie wir die Welt ändern können, damit das, was er sagt, eigentlich nicht gesagt werden müsste.
Was meine ich? Wir hören, dass die Armen, Hungernden, Weinenden, Gehassten und Ausgestoßenen selig sind. Kann man das einfach so herunterschlucken? Was heißt selig? Selig bedeutet glücklich. Also, es gibt auch glückliche arme Menschen und mancher weint Freudentränen, aber mal ehrlich in der Regel sind Hungernde, Arme, Trauernde, Verfolgte nicht glücklich. Und Jesus sagt: Weh euch ihr Reichen! Sind wir reich? Aber sicher! Weh euch ihr Satten! Hat von uns jemand wirklich schon einmal gehungert? Weh euch ihr Lachenden! Führen wir nicht vorwiegend ein fröhliches und zufriedenes Leben? Sollten wir uns angesichts der Worte Jesu nicht Sorgen machen, dass er das Wort an uns richtet, dass wir nicht ins Himmelreich kommen, entgegen den anderen? Wirft sich da nicht die Frage auf, was wir für diese tun könnten, können sollten?
Ich gehe jeden morgen in der Regel den gleichen Weg von meinem Parkplatz zur Schule. Seit ca. 14 Tagen liegt in einem Tordurchgang, durch welchen ich hindurch muss, ein Obdachloser und schläft. In einem der reichsten Länder der Welt, liegt mitten in einer Stadt, unter dem Torbogen einer Hochschule ein Mensch, der keine Wohnung und keinen Besitz hat, nur mit einem Schlafsack direkt auf dem Granitboden schläft. Jeden früh denke ich darüber nach, wie man ihm helfen könnte, denn ihm Geld geben wird sicherlich nicht sinnvoll sein. Aber was viel schlimmer ist, das ist nicht die Tatsache, dass mir nichts Vernünftiges einfällt, sondern das ich jeden morgen bei diesem Anblick mir bewusst werde, dass ich ihn seit der letzten morgendlichen Begegnung komplett vergessen habe, während ich im Warmen war, genug zu Essen hatte und in einem weichen Bett geschlafen habe. Ist das nicht schlimm, das wir so schnell vergessen, was uns doch eigentlich bewegen sollte? Und um zum Anfang zurückzukehren, was hat das mit den Worten des Paulus zu tun?
Ich denke mal, dass er uns vielleicht ein wenig bewusst machen möchte, wie bequem wir leben und dass wir doch auf die eine oder andere Sache verzichten könnten. Er verweist darauf, dass wir es uns nicht zu gemütlich machen sollten. Wir sind zum Beispiel schnell mit verrückten Ideen dabei, wenn es um die Fastenzeit geht. Ganze Bücher werden über allerlei Verzichtsmöglichkeiten geschrieben vom Handyfasten bis zur Abnehmkur, aber was hat das mit Fasten und Verzicht zu tun und wenn, dann ist es nur für eine kurze Zeit und die meisten halten nicht lange durch. Wie wäre es, wenn wir über einen langfristigen Verzicht nachdächten?
Ich denke da gar nicht an Ehelosigkeit, das überlassen wir denen, die das wollen oder manchmal auch müssen. Oder an Veganer und Vegetarier, der Mensch mag essen, was ihm schmeckt, wenn er es sich leisten kann.
Aber wie ist das mit Verzicht auf Dinge und Bequemlichkeiten, die wir gar nicht brauchen, die Ressourcen binden und Energie verbrauchen, die Umwelt kaputt machen und uns in die Falle der Bequemlichkeit drängen?
Wäre es nicht an der Zeit aufzuhören mit Klimaprotest und Herumheulen über ökologische Katastrophen und zu schauen, wo wir verzichten können, um damit nachhaltig etwas zu ändern? Mit einer Spende wird sich Jesus nicht zufriedengeben, von einer selbstauferlegten Fastenzeit wird kein Obdachloser ein zu Hause bekommen, von Protestieren wird die Umwelt nicht heil. Wir müssen unser Leben ändern, dann können wir auch diese Welt verändern.
Sicher ist es schwer und sicher braucht sich keiner zu schämen, der sich eingestehen muss, dass er da nicht mitgehen kann, dass er nicht folgen kann, weil er es nicht schafft, zu schwach ist, aber allein das Eingeständnis dessen, die Einsicht in unsere Begrenztheit wäre doch schon ein erster Schritt.
Jesus wollte mit seiner Predigt die Menschen dazu bewegen ihr Leben, so wie es tatsächlich war, in Beziehung mit Gott zubringen und es von daher zu verwandeln und besser zu verstehen. Machen wir doch heute einfach mit und hören genauer auf seine Predigt, statt auf selbsternannte Experten, scheinbar kluge Ratgeber und Influencer und tun vor allem selbst etwas.
Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Lesung (1. Kor 7, 25 - 31)
Evangelium (Lk 6, 20 - 26)
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Pfr.i.E. Kay Lohse