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Die Frauen am Grab

Bei keinem anderen Evangelisten sind die für den christlichen Glauben unverzichtbaren und grundlegenden Auferstehungszeugen so klar augenscheinlich als die mutigen Frauen um Jesus. Sie sind die ersten, die die Botschaft hören, und die ersten, die die Erfahrung machen, dass Jesus auferstanden ist, so wie er es selbst gesagt hat. Sie sind es, die den Brüdern sagen, was sie tun sollen.

 

Und der Engel sagt es noch einmal ganz deutlich, sie sollen den Jüngern sagen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Und als ob das nicht schon genug wäre, sollen sie sich vergewissern, dass das Grab leer ist, doch das ist natürlich nicht wirklich ein Beweis, aber er wird gleich nachgeliefert, Jesus selbst begegnet den Frauen und spricht sie an, er wiederholt ihren Auftrag und damit wird jedem Zweifel und jeder Spekulation das Wasser abgegraben. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Frauen bilden interessanterweise immer die Mehrheit der Friedhofsbesucher. Das hat sicherlich ganz unterschiedliche Gründe. Angefangen von einer längeren Lebenserwartung bis dahin, dass sie oft ein besseres Händchen für Blumen haben, aber letztlich hat es vielleicht auch damit zu tun, dass sie den Friedhof als Ort der Begegnung mit den Lebenden wie auch den Toten erfahren und dass diese dann eben nicht tot, im Sinn von nicht mehr da, sondern nur von nicht mehr verfügbar, sind.

Und so haben Frauen oft eine andere Beziehung zum Leben, vielleicht weil sie dazu in der Lage sind, wahrhaftig Leben zu schenken, weil sie neues Leben in sich tragen können und vielleicht so manches Mal emotional stärker an andere gebunden sind, als das Männer sind oder sein möchten.

Denn Männer sind stark und unglaublich schlau und unersetzlich, wie es schon Herbert Grönemeyer singt. 

Doch Jesus sucht zu seinen irdischen Zeiten den Kontakt nicht nur zu den Menschen an sich und ermutigt sie zur Nächstenliebe gegenüber allen, sogar ihren Feinden, sondern er bindet Frauen in seine Arbeit und Verkündigung von Anfang an besonders mit ein. Da denke ich an Maria und Marta oder die Syrophönizierin, die er für ihre Klugheit besonders lobt und selbst vermeintliche Sünderinnen haben für ihn eine wichtige Bedeutung, und so spielen die Frauen sicherlich dann auch im Zusammenhang seiner Auferstehung eine besondere und wichtige Rolle, ganz anders als die sich zurückziehenden Jünger, die sich verstecken.

In der Kirche ist das leider nicht immer so, denn da sind die Frauen oft als Hilfskräfte und Reinigungspersonal gern gesehen, aber von verantwortungsvollen Aufgaben werden sie oft ausgeschlossen.

Vielleicht ist ja gerade diese Geschichte von den Frauen am Grab viel mehr als nur der Friedhofsbesuch von Frauen, mehr als Grabpflege bei den Toten, wobei sie ehr zufällig Jesus begegnen, sondern vielmehr Begegnung mit der Auferstehung an sich, indem sie Jesus begegnen. Er spricht sie an, beauftragt sie und stellt sie so in seinen Dienst der Auferstehung, also Boten des Neuen, als Botinnen des Lebens.

Vielleicht einmal mehr Zeit an Ostern den Blick auf die zu richten, die viel aktiver in der Öffentlichkeit tätig sind als die, welche im verdunkelten Zimmer dem Vergangenen nachtrauern und vielleicht Pläne schmieden, während andere aber bereits im Licht der Auferstehung tätig werden und handeln. Also Ostern bedeutet nicht nur Freude über den Sieg über den Tod, es bedeutet vor allem diesen Sieg zu leben, diese Freude zu zeigen und zu anderen zu tragen. Amen.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Pfr.i.E. Kay Lohse

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Die Auferstehung ist der Angelpunkt unseres Glaubens

Das klingt erstmal gar nicht so spektakulär, dennoch meine ich das ernst. Das ganze Heilsereignis in Christus von der Verkündigung bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes wäre ohne die Auferstehung wertlos. Ja, die ganze Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zur Vollendung in der Ewigkeit ist auf dieses Ereignis hin geordnet. Diejenigen, die vor Jesus gelebt haben, lebten aus der Hoffnung, dass Gott einen Weg findet, dem Menschen, ja jedem einzelnen Menschen, das Heil zu schenken. Und diejenigen, die nach der Auferstehung leben, dürfen sich freuen, dass Gott einen Weg für jeden Menschen gefunden hat. Paulus sagt, dass wir Christen durch die Taufe mit Christus begraben wurden und mit Ihm auferweckt sind. Wir sind durch das rote Meer gezogen ins gelobte Land. Wir sind durch das Bad der Wiedergeburt bereits vollendet. Super Botschaft und hier könnte ich „Amen“ sagen. Mach ich aber nicht. Was ist dann eigentlich mit all denen in unserer Schule und unserem Land, die nicht getauft sind? Wir sollten uns nämlich nichts darauf einbilden, getauft zu sein. Adam und Eva waren auch schon mal in der Vollendung und haben quasi im Angesicht Gottes das Paradies verloren. In der Heilsgeschichte hat Gott immer wieder gerade Menschen berufen, die dazu aus unserer Sicht gar nicht würdig genug waren. Noah war ein Trinker, Mose ein Mörder, David ein Ehebrecher und so weiter. Das wir jetzt also aus Gnade hier stehen, könnte auch bedeuten, dass wir uns in diese Reihe einfügen. Jesus hat das Ganze am Kreuz noch auf die Spitze getrieben: Der Verbrecher am Kreuz war alles andere als ein guter Mensch, er hat nie ein Wort aus der Bibel gelesen, hat keinen Tropfen Taufwasser abbekommen und auch nicht den rechten katholischen und Apostolischen Glauben bekannt. Er hatte nur eine vage Vorstellung davon, dass Jesus irgendwie etwas gut machen kann, was wir verbockt haben. Dafür hat Jesus genau diesem Menschen als erstem von allen gesagt: Heute noch wirst Du mit mir im Paradies sein. Der erste Heilige also. Worauf wir uns auch nichts einbilden sollten, ist unsere jeweilige Tradition und Kirchenzugehörigkeit. Dafür haben wir alle nichts geleistet. Versteht mich nicht falsch: ich liebe meine Tradition und möchte sie nicht missen. Gemeinsam glauben ist eh viel schöner als allein. Doch, dass Gott mich aus Gnade in seine Kirche berufen hat, ist kein Privileg und auch kein Anrecht, das ich mir verdient hätte. Es ist höchstens ein Anspruch und ein Auftrag Gott dafür zu danken und den Menschen davon zu erzählen. Die Botschaft der Auferstehung Jesu, die wir heute feiern, besagt eigentlich, dass Gott jeden Menschen zum Heil berufen hat und dass Gott auch für jeden Menschen, egal wo er steht, einen eigenen Heilsweg hat. Genau für diese Botschaft stellen wir meines Erachtens gemeinsam die Osterkerze in die Mitte unserer Kapelle und damit auch in die Mitte unserer Schulgemeinschaft.

Amen.