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Glauben heißt vertrauen

Das ist so ein richtiger Passionstext, schwer verständlich, es geht um Leiden und Sterben, um Glaube und Hoffnung auf Rettung.

Wer glaubt, der ist schon gerettet. Das ist die Theologie des Johannes. Im Akt des Glaubens vollzieht sich das Gericht. Wenn ich an Gott, den Vater glaube und an Jesus, den er gesandt hat, bin ich gerichtet. Und gerichtet heißt hier nicht verurteilt zu irgendetwas, sondern gerichtet heißt hier, ich habe das Urteil empfangen, mehr nicht.

Das muss man dazu sagen, denn wir verstehen dieses „gerichtet“ allzu oft als „verurteilt“ zu etwas, oft sogar als hingerichtet, aber das ist ein großes Missverständnis. Gerichtet aber bedeutet vor Gericht gewesen und das Urteil empfangen haben, unabhängig vom Ausgang. Aber „gerichtet“ heißt noch etwas anders.

Es bedeutet auch: „Ich bin ausgerichtet!“ und das ist alles andere als unwichtig. Wer die Richtung verloren hat, der irrt ziellos umher, der hat kein Ziel mehr vor Augen oder zumindest ist es nicht mehr klar, darum ist es sehr wichtig ausgerichtet zu sein. Heute im Zeitalter von Smartphones mit dementsprechenden Navigations-Apps scheint das vielleicht nicht mehr so wichtig, aber auch damit kann ich schnell zumindest eine Zeitlang in die völlig falsche Richtung laufen. Aber früher, da musste ich mit dem Kompass oder mit anderen Hilfsmitteln, was heute leider keiner mehr lernt, die Himmelsrichtung bestimmen und dann hatte ich eine erste Orientierung und dann konnte ich bestimmen wohin es gehen soll, dann war ich ausgerichtet. Die Navi-Apps machen das letztlich immer noch, nur merken wir das nicht, erst wenn das Navi uns sagt, dass wir falsch sind. Beim eigenständigen Navigieren muss ich das immer wieder prüfen, ob meine Ausrichtung stimmt.

Und noch viel wichtiger ist etwas Weiteres: „Ich bin gerecht gemacht!“, nämlich allein aus Glauben.

Seit Abraham, dessen Glaube ihm als Gerechtigkeit angerechnet wurde, wie wir es im Römerbrief lesen können, gilt das. Und dabei meint „Glaube“ zu vertrauen. Ich darf darauf vertrauen, dass Gott mich annimmt und liebt und ich darf vertrauen, dass er mit mir geht und er mir das Leben schenkt, und das tut er durch seinen Sohn Jesus Christus. Der hat uns gezeigt, wie das Leben aussehen soll, wie das Leben gelingen kann. Der Weg, den Abraham im Vertrauen auf Gott gegangen ist, zeigt, dass mein Vertrauen in Gott immer noch wachsen und sich vertiefen kann.

Und wer jetzt nicht ganz weiß, was ich meine, den möchte ich an die Versuchung Abrahams erinnern, die Geschichte mit Isaaks Opferung kennt sicher jeder. Obwohl Abraham als gottesfürchtig gilt, prüft ihn Gott und fordert er in bis zum Äußersten heraus.

Solche Prüfungen bleiben uns in der Regel erspart, wobei das ja immer eine Frage des Selbstverständnisses ist, was dem einen als kleine Herausforderung erscheint, ist für den anderen eine schwere Prüfung.

Und so werde ich auf meinem Weg mit Zweifeln konfrontiert sein, mit Ängsten, nicht gut genug zu sein, und muss mein Unvermögen nur allzu oft erkennen. Und dann gilt es, die Wurzeln meines Gottvertrauens tiefer zu graben, noch stärker werden zu lassen und nicht von ihm abzulassen.

Aber wir neigen eben schnell dazu so zu denken, wie es Jesaja sagt: „Der HERR hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen.“ Aber da kommt dieses starke Bild von der Frau, die ihr Kind beschützt: „Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen?“ Natürlich nicht, und das sind ja auch Erfahrungen, die wir mit unseren Müttern gemacht haben, dass sie immer da waren, auch wenn wir es oft gar nicht gemerkt haben.

Aber selbst, wenn eine Mutter ihr Kind vergäße, so Jesaja, Gott würde uns nicht vergessen, diese Zusage kommt von Gott, sie predigt uns Jesaja und Jesus erneuert dies, dass denen, die Gutes tun, alles zum Guten dienen wird.

Ich darf darauf vertrauen, dass ich gerecht gemacht bin vor Gott durch Jesus Christus, ganz ohne meinen Verdienst, ganz ohne Werke allein aus Gnade.

Ich denke gerade jetzt in der Passionszeit, wo wir vielleicht einmal mehr über uns und unser Leben nachdenken, wo wir einmal öfters an uns zweifeln, ob wir in Gottes Augen Ansehen finden, da können wir uns auf diese Zusage verlassen. Ich bin gerechtfertigt vor Gott ohne mein Zutun und aus dieser Gnade heraus kann ich Gutes tun, für andere da sein und mein Leben so gestalten, wie ich es für richtig halte, denn ich bin frei und mein Leben kann gelingen! Auf diese Zusage hin will ich Leben und Handeln. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Pfr.i.E. Kay Lohse