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Das Richtige tun!

David gegen Goliath, die Geschichte kennt wohl jeder.

Sie hat sogar eine sächsische Mundartdichterin, Lene Voigt aus Leipzig, dazu bewogen nicht nur klassische Gedichte zum Beispiel von Goethe und Schiller ins sächsische zu übersetzen, sondern auch diese biblische Geschichte und weil ich das schon lange mal machen wollte, lese ich ihre Variante der Geschichte vor:

„Vom kleenen Dawid und dem langen Lulatsch!“ 

Ein kleiner Hirtenjunge tritt einem viel stärkeren Krieger furchtlos entgegen und besiegt ihn. Egal ob ich das in althebräisch, deutsch oder sächsisch lese, mag es unverständlich, gut oder eigenartig klingen, es bleibt, was es ist, eine ungewöhnliche Heldengeschichte und Davids Furchtlosigkeit ist wirklich beindruckend, ganz anders als bei den übrigen Israeliten, bei denen die Angst vor den Philistern tief sitzt.

Es gab schon heftige Niederlagen gegen sie und so waren sie der gefährlichste Feind, den Israel hatte. Selbst König Saul scheint mutlos. Nun, man könnte denken, dass der Mut Davids vielleicht aus seiner jugendlichen Unbedarftheit rührt, wenn ich Gefahren nicht kenne oder einzuschätzen vermag, dann sind sie keine Gefahren. Allerdings gibt uns der Text ein anderes Bild von David, denn sein Mut scheint weniger aus Unwissenheit oder Sorglosigkeit zu entspringen als mehr aus seinem ausgeprägten Gottvertrauen und dem Vertrauen auf seine eigene Stärke.

Als Saul ihm seine Rüstung für den Kampf anziehen will lehnt David ab. Sie würde ihn eher behindern als schützen. David verlässt sich lieber auf das, was er beherrscht. In einem schönen Filmzitat aus einem meiner Lieblingsfilme, einem recht modernen Film, heißt es: „Es ist nicht die Maschine, es ist der Pilot!“

Nicht die Technik, das Schwert oder was auch immer bestimmt über den Ausgang einer Sache, sondern der, welcher es benutzt oder bedient, der Mensch.

Mit seiner Steinschleuder hat der Hirtenjunge David schon ziemlich gefährliche Situationen gemeistert und heil überstanden und so ist er sich sicher, auch diese Herausforderung meistern zu können. Einfach nur auf Gott zu vertrauen und zu beten reicht eben nicht. Man muss sich schon darüber klar werden, welche Fähigkeiten Gott einem mitgegeben hat. Das heißt im Vertrauen auf die eigene Stärke und im Vertrauen auf Gott, in dem Wissen das Richtige zu tun, kann man allen Herausforderungen des Lebens begegnen.

Und genau an dieser Stelle greift das Evangelium die Geschichte von David und Goliath auf, denn diese Texte stehen immer in einem bestimmten Zusammenhang, auch wenn man sich manchmal doch fragt, was haben die denn miteinander zu tun?

Die Heldengeschichte Davids und die Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand?

Dabei ist die Antwort so einfach: Das Richtige zur rechten Zeit zu tun, darin liegt das Geheimnis.

Dieses Geheimnis wird uns in vielen Religionen übermittelt, das Judentum erzählt es im Buch Kohelet, das jedes Ding seine Zeit habe. Der Buddhismus tut es in der Geschichte von dem alten Mönch, der den modernen Mann belehrt, dass er erst eine Sache zu Ende bringen soll, ehe er eine neue beginnt und wir hören es heute in der Kombination dieser beiden Geschichten aus Lesung und Evangelium.

Und mit welchem Auftrag gehen wir dann hinaus aus diesem Gottesdienst? Einen Riesen zu töten oder einen unheilbar Behinderten zu heilen? Wohl kaum, sondern das Rechte zur rechten Zeit zu tun, wo wir ins Leben gestellt sind.  

Jesus tut das, in dem er einen Menschen, der schwer krank ist, heilt und das sogar am Sabbat, da arbeiten verboten ist und heilen bedeutet zu arbeiten. Zwar dürfte man im Fall von Lebensgefahr davon eine Ausnahme machen, aber der Mann in der Geschichte leidet schon lange an seinem Gebrechen, also von Lebensgefahr im eigentlichen Sinn könnte man nicht ausgehen, aber Jesus definiert hier Lebensgefahr etwas anders.

Der Mann mit der verdorrten Hand, das ist ein Sinnbild

nicht einfach nur für eine Behinderung, sondern er ist vom Leben, vom wirklichen Leben ausgeschlossen. Zum einen durch seine Krankheit an sich und bildlich, weil sein Leben ausgedörrt ist, es ist trocken und dürr, lebensfeindlich, da gilt es etwas zu tun. Und zwar gerade am Sabbat, denn der ist ein Feiertag der Schöpfung, des Guten, genau wie unser Sonntag nicht nur irgendein Tag ist, sondern ein kleines Ostern und da feiert man, ist froh und lebenszugewandt.

Und so befreit Jesus diesen Menschen aus seiner Unterdrückung und allen Zwängen und rettet ihn, gerade am Sabbat zum neuen Leben, egal welche Sabbatvorschriften es da gibt, denn was kann dem Sabbat mehr entsprechen als lebenszugewandt zu sein und neues Leben zu schenken. Erst wenn den Menschen aus ihrer Not geholfen wird, kann der Sabbat zur Ehre Gottes gefeiert werden, erst dann kann unser Sonntag zu einem kleinen Fest der Auferstehung werden.

Also, man tue das Richtige, so wie David oder Jesus, Hauptsache man tut das Richtige zur rechten Zeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Pfr.i.E. Kay Lohse