Andacht für die Woche nach dem 4. Sonntag nach Trinitatis

„Wer weiß, wozu ein Mensch fähig ist!“

Kommenden Mittwoch wird an den heiligen Otto gedacht. Das wird wahrscheinlich besonders Herrn Speth erfreuen, den eine besondere Liebe mit Bamberg verbindet, denn Otto war Bischof von Bamberg. Die meisten denken wohl bei dem Namen Otto entweder an den Comedian oder aber an Otto I., den Kaiser. Dabei ist Otto von Bamberg weit über die Grenzen Frankens hinaus bekannt. Er war Sohn einer schwäbischen Adelsfamilie und wurde von Kaiser Heinrich IV. an den Hof geholt. Dieser machte ihn zum Bauleiter am Dom zu Speyer, dann zum Kanzler und später zum Bischof von Bamberg. Dabei leistete er Großes. Er versuchte im Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst zu vermitteln, wirkte maßgeblich an den Beschlüssen des Wormser Konkordats mit, welches den Streit beilegte und er vermittelte auch zwischen dem Kaiser und seinem Sohn und letztlich bewirkte er, dass der Bann über den Kaiser gelöst und dieser in Speyer bestatte wurde.

Aber auch für Bamberg tat er natürlich viel, denn das Bistum war in einem sehr schlechten Zustand und so gründete und reformierte Otto zahlreiche Klöster, um so das Bistum besser verwalten zu können. Otto gilt als der bedeutendste unter den Bamberger Bischöfen. Sein Grab ist auf dem Bamberger Michelsberg, wo ich mit Herrn Speth schon des Öfteren gewesen bin. Im Hochgrab befindet sich ein Durchschlupf, der es ermöglicht, den Reliquien möglichst nahe zu kommen. Es heißt, wer unter dem Grab hindurchkrieche, werde von Rückenleiden befreit. Nun, ich habe es natürlich probiert, aber ob es geholfen hat, da bin ich mir nicht ganz so sicher. Aber neben all diesen Dingen ist eines noch viel interessanter. Als ich vor einigen Jahren das Mecklenburgische Orgelmuseum Malchow besuchte, das sich zu Teilen in der alten Klosterkirche befindet, entdeckte ich eine Statue von Otto. Nun ist das zugegebenermaßen, abgesehen von der räumlichen Distanz zwischen Vorpommern und Bamberg, nicht so außergewöhnlich, aber diese Kirche wurde 1572 in ein adliges Damenstift der mecklenburgischen Ritterschaft umgewandelt. Und was noch irritierender war, in der Kirche befand sich auf der einen Seite der Kirche die besagte Statue vom heiligen Otto und genau gegenüber auf der anderen eine gleichgroße von Martin Luther, das ist schon ungewöhnlich, genau wie die Erklärung dafür.

Otto von Bamberg wollte gern wie sein großes Vorbild der Hl. Bonifatius ein berühmter Missionar sein und für seinen Glauben sterben. Doch während sich die Friesen gegen den christlichen Glauben wehrten und letztlich Bonifatius erschlugen, blieb diese Schicksal Otto verwehrt oder besser erspart. Otto wurde zum Missionar der Pommern und diese friedfertigen Zeitgenossen krümmten Otto von Bamberg kein Haar. Otto verbot die Polygamie, das Töten neugeborener Mädchen, Zauberei und Götzendienst und nachdem Ottos Missionare mit Äxten die heidnischen Kultstätten zerstört hatten, erkannten die Pommern die Schwachheit ihrer heidnischen Götter und bekehrten sich zu Jesus Christus.

Otto starb alt und friedlich in Bamberg, was ihn sehr traurig gemacht hatte. Dabei hätte er stolz sein können auf das, was er erreicht hatte. Paulo Coelho, ein brasilianischer Schriftsteller, hat einmal geschrieben: „Gott legt jedem Menschen eine besondere Gabe in die Hände, sein Werkzeug, um sich der Welt zu offenbaren und der Menschheit zu helfen.“ Ottos Gabe war es ausgleichen, organisieren und überzeugen zu können, er musste nicht kämpfen und sterben, er war eher der Diplomat und so hat er Pommern christianisiert ohne Gewalt und Blut. In der Malchower Kirche hat man ihn gegenüber von Luther aufgestellt, weil die Malchower gesagt haben, dass Otto ihnen das Christentum brachte und Luther hat sein Werk fortgesetzt und die Kirche reformiert und so sind beide auf ihre Weise entscheidend für dieses Land.

Es ist die Kunst zu merken, wo Gott uns hinstellt, und manchmal kann man seinem Auftrag sogar ohne viel Aufhebens gerecht werden, denn man muss nicht nach Gaben streben, von denen man meint, sie seien wichtig, sondern muss die Gaben nutzen, die man hat.          

Pfr.i.E. Kay Lohse