Menschen am Rande des Passions-Geschehens

Am Mittwoch Morgen traf sich die Klasse 8b in der 1.Stunde in der Kapelle. Mit einem kleinen Gottesdienst stimmten wir uns auf die kommenden Kar-Tage ein.

Als Christen glauben wir, dass die Texte der Bibel auch heute noch Relevanz haben. Was da aufgeschrieben ist, sind nicht schöne Geschichten über Begebenheiten vor 2000 oder 3000 Jahren. Was in der Bibel steht, soll Bezug zu meinem Leben hier und heute haben. Freilich muss man oft ein bisschen Hirn-Energie investieren um zu finden, wo so ein Bibeltext mich betrifft:

Kurz vor seinem Tod feierte Jesus mit seinen Jüngern ein Fest, das wir heute das letzte Abendmahl nennen. Den Tag nennen wir heute Gründonnerstag. Nach dem Abendmahl geht er hinaus. Der Ort wird Garten Getsemani genannt. Zwei Jünger begleiten ihn. Jesus betet. Den Jüngern fallen die Augen zu, sie schlafen ein.

So ist Petrus heute der erste, der uns heute zum Nachdenken bringen will. Auf ihn trifft der Satz zu: »Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.« Geht es dir auch manchmal so? EIGENTLICH hast du viele gute Pläne. Deine Ideen sind genial. Du hast den perfekten Tipp. Aber dann behältst Du sie für dich. Irgendwas hält dich ab, aktiv zu werden. Am Ende bist du von dir selbst enttäuscht. Vielleicht auch andere. Fallen Dir Beispiele aus deinem Leben ein?

Schön zu wissen, dass selbst der große Apostel Petrus solche Tiefs hatte.

Unsere zweite Identifikationsfigur war Judas. Er hat sich das Kopfgeld geholt, und die Feldjäger zu Jesus geführt. Warum er das tat, steht nicht in der Bibel. Das Geld wird’s nicht gewesen sein. So viel war es nicht. Heute denkt man, er war von Jesus enttäuscht. Jesus sprach von sich selbst als Messias, Retter, Erlöser. Aber in Judas‘ Augen waren es nur Worte, keine Taten. Die Römer knechteten immer noch das Volk der Juden, die Oberschicht suchte nur den eigenen Vorteil. – Alles auch heute bekannt. Vielleicht dachte Judas, wenn er Jesus nur genug in die Enge treibt, dann wird er schon endlich mal ernst machen, und den Aufstand lostreten. Aber Jesus plant gar keine Revolution.

Kennst du das Gefühl, wenn du von jemandem was erwartest, und der kommt einfach nicht ausm Knick! Kennst du das Gefühl, wenn jemand Macht oder Einfluss, Möglichkeiten oder Wissen hat, das dir sooo nützen könnte, und er tut einfach nicht? – Da kann man schon mal auf krumme Gedanken kommen, dem Feuer unterm Hintern zu machen. – Oder? So ein bisschen Judas steckt vielleicht auch in uns.

Hannas und Kajaphas schließlich formulieren die Anklage gegen Jesus. Sie scheuen sich, persönlich Stellung zu beziehen. Hinter Paragraphen und Vorschriften verschanzen sie sich.

Hast du dich auch schon über so Paragraphenreiter geärgert? Denen die Regeln wichtiger sind als die Menschen? Die lieber ungerecht sind, als dass sie den Einzelfall würdigen? Oder hast Du vielleicht selbst ein Talent, dir die Wahrheit hinzubiegen, bis sie dir passt?

Eine letzte Randfigur war für uns heute der Statthalter und Richter Pilatus. Er ist zwar sowas wie der Ministerpräsident. Aber er lässt sich vor dem Mob auf der Straße hertreiben. Anschließend will er seine Hände in Unschuld waschen.

Alle unsere Gedanken haben wir dann an ein großes Holzkreuz genagelt. Über dem Kreuz brannte die Osterkerze. Das Kreuz ist eine Realität. Das Leben ist wohl für niemanden eitel Sonnenschein. Aber das Licht von Ostern leuchtet auch schon in unser Leben.

Pater Michael